Ausstellung: „Im Namen des Herrn“

web_img_1386.jpg„Wenn Du nicht gehorchst, dann kommst Du ins Kinderheim!“ Diese und ähnliche Drohungen hörten oft die Kinder der 60er und 70er Jahrgänge, wenn die Eltern erzieherisch mit ihrem Latein am Ende waren. Das diese angst einflößenden Drohungen nicht von ungefähr kamen zeigt eine Ausstellung der Künstler Gudrun Adrion aus Westerholz und Eckhardt Kowalke aus Eckernförde, die sich dem Thema „Ehemalige Heimkinder von 1960 bis 1970“ angenommen haben. Für Herrn Kowalke ist diese Ausstellung nicht nur die Darstellung eines Themas in form von Kunst, sondern auch Vergangenheitsbewältigung. Misshandelte und gedemütigte Heimkinder. Ein Thema welches in unserem Alltag kaum Beachtung erfährt… Da ist es schon fast zwangsläufig notwendig mit einigen Objekten zu provozieren. Kowalke stellt dazu ein ca. 3 Meter hohes Kreuz in die Große Straße an welches mehrere Kinderpuppen genagelt sind. „Was wir machen ist leise, wir werden kaum wahrgenommen, darum müssen wir auch provozieren um beachtet zu werden“, so Kowalke am 1. November zur Ausstellungseröffnung. Die Kirche reagierte mit der Bitte um Vergebung. Landespastorin Petra Thobaben: „Nach Auskünften der Träger sind vergleichbare schwere Vorkommnisse in diakonischen Einrichtungen in Schleswig-Holstein noch nicht bekannt geworden: dennoch verneige ich mich an dieser Stelle im Respekt vor den Opfern und bitte um ihre Vergebung für das ihnen uzugefügte Leid.“

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Die Schaffungsprozesse der Kunstwerke waren für Herrn Kowalke sehr emotionale Momente. Mit einem Objekt zeigt er die unvorstellbaren Erlebnisse in dem Heim in dem er leben musste. Eine lebensgroße Skulptur zeigt einen Menschen der in ein Bettlaken gewickelt und gefesselt wurde. So wurden Neuankömmlinge des Heims „empfangen“. Sie wurden gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt.

Die Erlebnisse fanden noch in den 60er und 70er Jahren statt. Wie es in der heutigen Zeit aussieht, darüber hat sich Herr Kowalke selbst ein Bild machen können und hat lobende Worte. Heute muss kein Kind mehr Angst vor einem Kinderheim haben. Heute werden die Kinder von ausgebildeten Pädagogen betreut, damals wurden die Kinder von Aufsehern, teilweise mit brauner Vergangenheit, „verwahrt“.

Die Arbeit von Frau Adrion und Herrn Kowalke ist mit der Kunstausstellung nicht beendet. Herr Kowalke bittet ehemalige Heimkinder aus Schleswig-Holstein, die Menschenrechtsverletzungen erfahren haben, sich bei ihm zu melden. In einer Dokumentation sollen diese Vorkommnisse festgehalten werden um nicht in Vergessenheit zu gelangen. Die Internetseite mit allen Kontaktinformationen finden Sie unter www.art-kowalke.de oder noch besser besuchen Sie die Ausstellung „Im Namen des Herrn“ bei Optik Drews in der Großen Straße 18 in Flensburg. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. November zu den üblichen Ladenöffnungszeiten.