DGB kritisiert Bildungssystem

Anlässlich der Vorstellung des von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesbildungsministerium in Auftrag gegebenen 2. Nationalen Bildungsberichtes, hat der Vorsitzende der DGB-Region Schleswig-Holstein Nord, Helmut Hartmann, Kritik am Zustand des Bildungssytems geäußert. Der Bericht belegt nach seiner Einschätzung eindeutig, dass unsere Bildungssystem nach wie vor keine Bildungsgerechtigkeit gewährleistet sondern -allen anders lautenden Erklärungen der Bilungspolitiker zum Trotz- nach Herkunft selektiert. Hartmann wörtlich:

„Die Bilanz unseres Bildungssystems ist ernüchternd: Einige sammeln Zeugnisse und Diplome, andere sammeln Niederlagen. Der Bildungsbericht zeigt, dass wir in Deutschland immer noch zu viele Kinder und Jugendliche ausgrenzen. Nach wie vor verlassen bundesweit 80.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Da sind Armut und Perspektivlosigkeit programmiert. Dagegen hilft nur eine individuelle Förderung, die rechtzeitig beginnen muss. Darüber kann auch die wachsende Bedeutung frühkindlicher Bildung nicht hinwegtäuschen.
Es ist skandalös, dass die Hälfte der Hauptschülerinnen und -schüler auch 13 Monate nach Ende der Schulzeit noch keine berufliche Ausbildung gefunden hat. Und wer ohne Hauptschulabschluss bleibt, hat praktisch keine Chance auf eine Ausbildung. Aus früheren Studien wissen wir, dass 70 Prozent der Hauptschülerinnen und -schüler für sich keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt sehen. Es ist daher höchste Zeit, dass die Länder ein abgestimmtes Konzept zum Abbau der Schulabbrecherquoten vorlegen und es dann auch schnell umsetzen.
Um weiterer sozialer Polarisierung entgegenzuwirken, müssen wir Kinder aus bildungs-schwächeren Gruppen durch Ausbildung beruflich integrieren. Kinder aus armen Familienverhältnissen und aus Migrationsfamilien haben viel schlechtere Bildungs-chancen als Kinder aus privilegierten Haushalten. Denn das deutsche Bildungssystem trennt nach wie vor nach sozialer und ethnischer Herkunft. Integration gelingt jedoch nur, wenn die Schule individuelle Angebote macht und die Schülerinnen und Schüler in ihren Stärken fördert. Nachahmenswerte Beispiele dafür gibt es jedoch immer noch zu wenig.“

Der DGB-Regionsvorsitzende kritisierte in diesem Zusammenhang den erneuten Vorstoß von Minister Austermann zur Einführung von Studiengebühren in Schleswig-Holstein. Hartmann: „Studiengebühren verschärfen den Selektionsprozeß zulasten von Kindern aus Arbeitnehmerhaushalten und sind mit uns nicht zu machen“.