Motorola schließt seine Logistik-Sparte

Motorola.jpgEin schwerer Schlag für Flensburg
Die Konzernzentrale von Motorola hat es beschlossen. Das Flensburger Distributionszentrum soll an den Logistikdienstleister Cinram übergeben werden. Das hat eine komplette Verlagerung dieses Aufgabenbereiches von Flensburg nach Alsdorf bei Aachen zur Folge. „Das ist ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Flensburg, vor allem aber für die von dieser Entscheidung am Standort Flensburg betroffenen 650 Beschäftigten und Ihre Familien“, zeigt sich Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner von dieser Entwicklung gleichermaßen überrascht wie schockiert. Auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen bedauert Motorolas Entscheidung: „Wir werden alles tun, um die Folgen für den Standort Flensburg abzufedern“ sagte Carstensen.

Etwas 650 Arbeitsplätze sind von der Auslagerung betroffen.

Die Ausgliederung als solche sei von Motorola zwar im April diesen Jahres gegenüber den Beschäftigten und auch gegenüber den offiziellen Stellen angekündigt worden, aber stets vor dem Hintergrund einer mindestens 3-jährigen Standortgarantie für den Standort Flensburg.
Flensburgs Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner macht keinen Hehl aus seinem Ärger über die desolate Informationspolitik des US-Konzerns.
„Wir durften bis zuletzt davon ausgehen, dass Motorola zu seinen Versprechen stehen wird“ sagte Tscheuschner.
„Es ist unverantwortlich und unverständlich, wenn Motorola jetzt 650 qualifizierte, motivierte und äußerst flexible Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schickt – denn das Angebot, mit den Arbeitsplätzen in das mehr als 600 km entfernte Aachen zu ziehen, ist für die in unserer Region verwurzelten Mitarbeiter keine ernsthafte Alternative“, stellte Tscheuschner weiter klar.
Rückblickend auf die vergangenen 20 Jahre, in denen Motorola in Flensburg dank des Einsatzes der Beschäftigten sehr gutes Geld verdient hat, hätte der Oberbürgermeister erwartet, dass sich die Konzernleitung im fernen Illinois ernsthaft mit allen Möglichkeiten zur Sicherung des Standortes Flensburg beschäftigt.
Trotz des großen Engagements der Landesregierung war man hierzu jedoch offenbar nicht bereit“, so Tscheuschner abschließend.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ist überaus verärgert und enttäuscht, dass er über die Pläne von Motorola zunächst überhaupt nicht unterrichtet wurden und erst auf Nachfrage davon Ende vergangener Woche erfahren hatte. Bitter ist zudem, dass seine Argumente für den Erhalt des Standortes sowie seine finanziellen Hilfsangebote in der US-Konzernzentrale offenbar auf taube Ohre gestoßen ist.

Noch am Freitag war Carstensen gemeinsam mit Wirtschaftsminister Dietrich Austermann zu einer Blitzreise in die USA aufgebrochen, um möglichst viele Arbeitsplätze in Flensburg zu erhalten. „Wir waren bereit, bis an die Schmerzgrenze des finanziell und rechtlich Machbaren zu gehen“, sagte Carstensen. Persönlich sei er tief enttäuscht darüber, dass die jahrelange, auch mit viel Geld untermauerte Partnerschaft des Landes zu Motorola von der Konzernspitze in den USA nun offenbar mit einem Federstrich ausradiert werden solle.

Wirtschaftsminister Austermann bezeichnete die Konzernentscheidung als ökonomisch falsch: „Bei allem Verständnis für die durch schwindende Marktanteile ausgelösten Probleme bei Motorola, birgt dieser Schritt erhebliche Risiken für das bereits jetzt anlaufende Weihnachtsgeschäft des Handy-Herstellers.“

Carstensen und Austermann kündigten Unterstützung für die Region Flensburg an. „Wir lassen Flensburg nicht im Sich. Wir werden klotzen, um die Folgen des Motorola-Abzugs abzufedern“, sagte Austermann mit Blick auf die in den vergangenen zwei Jahren erreichten Strukturverbesserungen in der Grenzregion. „Gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Motorola sehen wir uns in unserem Ziel bestätigt, unsere Förderung auf die Stärkung des Mittelstandes hier bei uns im Lande zu konzentrieren“, sagte Carstensen. Darüber hinaus werde der Hochschul-Standort Flensburg durch zukunftsträchtige Kompetenzzentren ausgebaut. Als Beispiele nannten Carstensen und Austermann die Bereiche Erneuerbare Energien und maritime Technologien.

Austermann wies darauf hin, dass der Unternehmensstandort Flensburg trotz des Rückschlags gut aufgestellt sei. Bereits jetzt sei die Region ein Förderschwerpunkt der Landesregierung mit zum Teil beachtlichen Erfolgen wie beispielsweise jüngst der Ansiedlung des Unternehmens „Carebyphone“ mit derzeit bereits über 100 Arbeitsplätzen.