Museumswerft eröffnet Saison 2014

Schiffbau wie vor 200 Jahren – Seit 1996 hämmern und leimen die Bootsbauer auf der Flensburger Museumswerft mit traditionellem Werkzeug nach alten Plänen. Hier entstehen Schiffe wie vor Hunderten von Jahren, alte Gerippe werden restauriert. Sogar ein Römerboot aus dem See Genezareth haben die Flensburger wieder flott gemacht. Dabei hatte der Gründer der Werft – Uwe „Kuddel“ Kutzner – die Hafenspitze am Ende der Förde ursprünglich „gar nicht auf der Latte“.

Es riecht nach Sägespänen und Salzwasser, nach Teer und frisch gebrühtem Kaffee. Morgens kurz vor acht hinter dem knarrenden Holztor der Flensburger Museumswerft interessiert die Bootsbauer nicht, ob es in Strömen regnet oder die Sonne scheint: Arbeit wartet nicht auf schönes Wetter. Und Arbeit gibt es viel auf Kuddels Werft.

Kuddel – das ist Uwe Kutzner: weiße Haare, weißer Bart, wettergegerbtes Gesicht, irgendwo zwischen 50 und 60 Jahren. Vor etlichen Jahren hat es ihn hierher nach Flensburg verschlagen, und wenn es Zufälle gibt, dann war dies ein ganz besonders glücklicher. Der gelernte Zimmermann und studierte Architekt strandete mit seinem Schoner „Valdivia von Altona“ in der Hafenspitze ganz oben an der Flensburger Förde; für seinen Geschmack viel zu weit weg von der offenen See.

Museumswerft Kuddel verdiente sein Geld damit, dass er zahlende Gästen an Bord nahm, die mit der Valdivia auf Charterfahrt gehen wollten. „Flensburg“, sagt er, „hatte ich eigentlich gar nicht auf der Latte.“ Dann aber war er plötzlich da, in der Stadt mit der Schiffbrücke mitten im Zentrum. Das gefiel ihm. Generationen von Bootsbauern waren hier fleißig gewesen. Ein maritimes Bild, das sich festsetzte.

Wie wäre es mit einer lebendigen Museumswerft dieses Erbe zu würdigen, sichtbar für alle Flensburger und ihre Gäste? Zwischen dem heutigen Schifffahrtsmuseum und dem Museumshafen befand sich schon vor Jahrhunderten – Flensburg gehörte noch zu Dänemark – ein Schiffbauplatz. Damals zu Zeiten der Westindienfahrt machten viele Kaufleute ihr Vermögen im (wegen seiner lukrativen Sklaven- und Zuckergeschäfte) berüchtigten Dreieckshandel zwischen dänischen Kolonien, der Küste Guineas und den karibischen Inseln St. Thomas und St. Croix. Museumswerft Mit Schiffen brachten sie Molasse nach Flensburg, die zu Rum gebrannt und mit „feinem Flensburger Wasser“ veredelt wurde. Flensburg war nach Kopenhagen und Altona der wichtigste Hafen. Kapitalkräftige Reeder und zahleiche Handelsfirmen ließen sich in der „Rumstadt“ nieder und bauten für die Westindienfahrt tüchtige Schiffe. Zur Verteidigung ihrer wertvollen Waren wurden die Segler mit Waffen bestückt. Es entstand der Schiffstyp einer „Schnaubrigg“, der sich in Kopenhagen wie in Flensburg und anderen dänischen Häfen als typischer „Westindiensegler“ durchsetzte. Heute gibt es – wenn auch in etwas verkleinertem Format – auf der Museumswerft den Nachbau eines Spantengerüstes für solch einen Westindienseglers zu sehen.

Wie die Handwerker einst baut und bearbeitet Kutzner mit seiner Mannschaft heute mit traditionellen Werkzeugen Boote auf althergebrachte Weise. Aus seiner Idee machte er im März 1996 eine gemeinnützige GmbH, die seither tatsächlich das maritime Erbe Flensburgs pflegt. Zu Reichtümern ist die Werft, die sich mit Spenden, einem Förderverein und EU-Geldern finanziert, nie gekommen. Aber sie trägt sich und lässt alte Zeiten lebendig werden. Schon rund 30 Repliken gingen von hier aus zu Wasser. Unter anderem ein Römerboot, das im See Genezareth gefunden wurde (100 v./70 n.Chr), eine Dansk Jagt von 1794, die Hafenfähre EURYDIKE, zwei Wikingerboote, große und kleine Fischerboote und Jollen.

Die Berufsfahrzeuge der vergangenen 200 Jahre sind Thema auf der Werft. Wer möchte, kann zugucken, wie die Bootsbauer Frachtsegler und Fischerboote, große und kleine Schiffe, neu bauen oder alte Schiffe restaurieren, immer nach Originalplänen. Ihr Tun dokumentieren sie für die Besucher: Infotafeln markieren verschiedene Stationen, die inzwischen entstanden sind.

Da ist der Fischerwinkel, ein nach einem alten Foto nachgebauter Fischersteg, wie es ihn Anfang des 20. Jahrhundert gegeben hat. Kleine Gerätschaften, über Jahre gehegt und gepflegt, haben sich in der „Klüterkammer“ angesammelt. Früher kam kein Fischer ohne solch eine Rumpelkammer aus, in der „allns,wat noch tu bruken weer“ aufbewahrt wurde, denn: „Wegschmeeten ward nix.“

Da sind die vielen Boote mit Geschichte, die auf ihre Restaurierung wartet: Spanten und Planken gilt es zu ersetzen, Wurmschäden zu beseitigen und alte Glühkopfmotoren wieder in Gang zu bringen. Jede Menge alte Werkzeuge und Gerätschaften liegen herum und sind nicht nur zur Ansicht da. „Man darf sich gern mal an der Stammsäge versuchen“, sagt Uwe Kutzner, traditionell in einen roten „Blaumann“ gekleidet: „Bist Du in Not, frag den Mann in Rot“, heißt es deshalb auf der Werft.

Kuddel liegt die „Nachwuchsförderung“ am Herzen. Deshalb gibt es Lehrlinge auf der Werft. Und es gibt auch „Lehrlinge auf Zeit“, Besucher nämlich, die sich an verschiedenen Mitmach-Aktionen beteiligen: Väter oder Mütter, die mit ihren Kindern Seekisten, Modellschiffe, Paddel, oder Segeljollen bauen, die unter Anleitung von erfahrenen Bootsbauer Planken mit Holznägeln befestigen, mit Löffel-Bohrern Nagellöcher bohren und schwere Lasten mit dem Gangspill bewegen.

Museumswerft
Zum echten Geheim-Tipp in Flensburg ist inzwischen das kleine Werft-Café geworden. Dort lässt es sich bei Kaffee und – natürlich – selbst gebackenem Kuchen gut sitzen, während der Blick über Museumshafen und Hafenspitze schweift. Öffnungszeiten täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (Im Winter nur am Wochenende)

Material und Werkzeug – kleine Bootsrohlinge etwa – bekommen sie auf der Werft ebenso wie die fachkundige Anleitung. Aber den Rest, den müssen hier alle selbst bewerkstelligen. „Eine gute Übung, um Kopf und Hand zusammenzubringen“, nennt Kuddel das und findet, dass es ja dabei nicht auf die Leistung ankommt, sondern darauf, „mit Lust gemeinsam etwas zu machen. Denn das ist immer eine sehr entspannte Angelegenheit“ – entspannt, wie der Geruch nach Salzwasser, Teer und dem eben wieder frisch aufgebrühten Kaffee. Julia Voigt / Anette Schnoor

Veranstaltungen 2014

In den Sommermonaten gibt es viele Aktionen, Lesungen, Workshops und Musikveranstaltungen. Der Blick auf die Internetseite unter dem Stichwort „Termine“ lohnt sich also. Fest stehen bereits die Termine für die Eltern-Kind-Workshops, bei denen Werkzeugkästen oder Vollholz-Schiffsmodelle gebaut werden:

  • 29. bis 31. Mai
  • 24. bis 27. Juli
  • 3. bis 5. Oktober

Anmeldung und Information bei Uwe Kutzner unter Tel 0461 – 18 22 47 oder per Email an ukutzner@museumswerft.de